Dicke Luft im Klassenzimmer – Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen

Stadtblatt-Beitrag von Anja Gernand – Ausgabe vom 11.11.2020 // 

„Was hast du gesagt?“ ist wohl momentan die häufigste Frage im Unterricht, findet dieser schließlich seit den Herbstferien unter allgemeiner Maskenpflicht statt. Zusätzliche Ausstattung diesen Winter werden wohl auch Daunenjacken, Decken und sonstige wärmende Utensilien sein, da regelmäßig gelüftet werden muss. Die Notwendigkeit steht außer Frage, aber eine Diskussion darüber, wie man die Situation an den Schulen besser und vor allem sicherer für alle machen kann, ist mehr als überfällig.

Immerhin: Seit dem letzten Lockdown hat die Stadt Heidelberg einige Tablets als Leihgeräte für Schüler*innen angeschafft. Außerdem können nun alle Schüler*innen und Lehrer*innen diverse Microsoft-Anwendungen kostenlos nutzen. Der große Wurf in der Digitalisierung ist das aber nicht. Nach wie vor fehlt der Stadt ein langfristiges Ziel bei der Digitalisierung der Schulen, genauso wie das dazu passende Personal zur Betreuung der Schul-IT.

Die technischen Voraussetzungen sind das eine, aber Orte wie Schulen und Bildungseinrichtungen, an denen so viele Menschen zusammenkommen, brauchen weitere Grundvoraussetzungen für einen Betrieb unter Pandemiebedingungen. Die Frage beispielsweise nach Luftreinigungsgeräten wird auch in Heidelberg immer lauter. Sogenannte CO2-Ampeln, die die Luftqualität messen und rechtzeitig ans Lüften erinnern, werden nun angeschafft und auch einfache Plexiglasscheiben für Lehrerzimmer und Klassen können jetzt von Schulen geordert werden. Das sind aber nur sehr geringe Hilfen und abermals wünscht man sich mehr Kreativität bei der Suche nach Lösungen. Hohe Plexiglas-Abtrennungen rund ums Pult würden wenigstens den Lehrer*innen zeitweilig ermöglichen, im Unterricht keine Maske zu tragen – eine deutliche Erleichterung für alle, nicht nur im Fremdsprachenunterricht.

Hygieneregeln in der Schule sind allerdings schwer zu vermitteln, wenn man sich die Situation auf dem Schulweg anschaut: Zu Recht fragen Schüler*innen, warum sie in der Schule überhaupt Abstand halten sollen, wenn sie sich morgens im Bus wegen Überfüllung beinahe gegenseitig auf dem Schoß sitzen. Dabei ist gerade hier die Lösung nicht weit: Entzerrte Anfangszeiten der Schulen im Stadtgebiet wären ein Anfang genauso wie ein Betrieb mit halben Klassen. Zusätzlich fördert das Land jetzt neue Schulbusse zu 95%, was aber von der Stadt erstmal genutzt werden müsste. Auch die Einbindung von privaten Busunternehmen, die ja aktuell kaum Aufträge haben, wäre Infektionsschutz und Wirtschaftsförderung in einem.

Bald also mit dem Flixbus in die Schule? Das WLAN für die digitalen Hausaufgaben wäre dort immerhin besser als in so mancher Schule!

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