Pressemitteilung vom 04.08.2026
Wie steht es um das Nachtleben in Heidelberg? Dieser Frage sind die Stadträt*innen Bülent Teztiker, Felix Grädler, Dr. Marilena Geugjes und Leander von Detten der Grünen-Fraktion mit der Online-Befragung „Nachtleben 2026“ nachgegangen. An der freiwilligen Befragung, die sich an junge Menschen in Heidelberg und Umgebung richtete, nahmen zwischen Februar und Juni 2026 insgesamt 601 Personen teil. Die vollständige, interaktive Auswertung ist unter https://gruen4hd.de/heidelberger-nachtleben-2026 abrufbar.
Die Auswertung zeichnet ein eindeutiges Bild: Heidelberg hat kein Nachfrageproblem, sondern ein Rahmenproblem. Die Befragten bewerteten die Attraktivität des Heidelberger Nachtlebens für junge Menschen mit nur 3,05 von 5 Punkten. Gleichzeitig geben 39 Prozent an, für das Nachtleben in andere Städte auszuweichen — allen voran nach Mannheim. In den kaufkräftigen Jahrgängen zwischen 24 und 50 liegt dieser Anteil sogar bei bis zu 46 Prozent. „Wer regelmäßig auflegt, sieht es jedes Wochenende: Die Lust aufs Feiern ist da, aber viele junge Leute fahren woanders hin, weil sie hier nicht finden, was sie suchen. Dieses Angebots- und Rahmenproblem lässt sich lösen“, erläutert Stadtrat Bülent Teztiker, der selbst seit Jahren als DJ aktiv ist.
Die Befragung zeigt auch, welche Angebote besonders fehlen: Die Befragten wünschen sich am häufigsten mehr Clubs (68 Prozent), mehr Open-Air-Veranstaltungen (55 Prozent) und mehr Livemusik (52 Prozent). Jede zweite befragte Person spricht sich zudem für längere Öffnungszeiten aus. Gefragt sind dabei nicht nur kommerzielle Angebote: Auch konsumfreie Treffpunkte und Kreativ- und Proberäume werden häufig genannt. Viele dieser Wünsche haben eines gemeinsam: Sie brauchen Flächen. Formate wie Open-Air-Veranstaltungen oder Events am Tag scheitern derzeit jedoch oft daran, dass geeignete Orte mit verlässlichen Genehmigungen fehlen.
Neben dem Angebot spielt auch die Erreichbarkeit eine zentrale Rolle. Ein durchgehendes Thema der Befragung ist die Erreichbarkeit von Nachtkulturorten in den Abend- und Nachtstunden. 43 Prozent wünschen sich einen besseren Nachtverkehr, denn ohne verlässliche Verbindungen bleiben viele Angebote schlicht unerreichbar. Gleichzeitig wird der Nachtverkehr auch beim Thema Sicherheit am häufigsten als Lösung genannt. Nur 31 Prozent der Frauen fühlen sich nachts in Heidelberg eindeutig sicher. Bei den Männern sind es mit 63 Prozent doppelt so viele. Ein verlässlicher Nachtverkehr ist deshalb nicht nur eine Frage der Mobilität, sondern auch der Sicherheit und der Attraktivität des Standorts Heidelberg. „Diesen Befund nehmen wir sehr ernst. Die Befragten benennen auch klar, was hilft: verlässlicher Nachtverkehr, mehr Präsenz und bessere Beleuchtung. Wenn so viele Menschen zum Feiern in andere Städte fahren, gehen unserer Gastronomie und unserer Kulturszene wichtige Einnahmen verloren. Als Stadt, die um Student*innen und Fachkräfte wirbt, können wir uns das nicht leisten. Nachtkultur ist kein nettes Extra, sondern ein Standortfaktor“, erklärt Stadtrat Felix Grädler, der seit vielen Jahren beruflich in der Veranstaltungsbranche tätig ist.
Auch die Diskussion um die Sperrzeiten greift die Befragung auf: Die seit April 2026 verschärfte Sperrzeit für die Heidelberger Kernaltstadt ist rechtskräftig und steht nicht zur Debatte. Die Ergebnisse der Befragung deuten jedoch darauf hin, dass eine frühere Schließung das Ausgehverhalten vieler Menschen nicht beendet, sondern verlagert. Nur rund ein Drittel der Befragten würde sein bisheriges Verhalten beibehalten. Rund zwei Drittel würden stattdessen ins Private, in andere Städte oder in den öffentlichen Raum ausweichen. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei den jüngsten Befragten. Die Befragung zeigt damit, dass Sperrzeiten Probleme eher verlagern als lösen.
Stadtrat Leander von Detten richtet den Blick auf den Ausbau nicht-kommerzieller Treffpunkte in Heidelberg. Er engagierte sich bereits in der Grünen Jugend für die Feierkultur und wirkte in der Projektgruppe des Wohnprojekts Collegium Academicum am Aufbau einer Aula als jungem Veranstaltungsort mit: „Die Befragung zeigt: Junge Menschen wünschen sich nicht nur Clubs und Bars, sondern auch Orte, an denen man sich ohne Konsumzwang treffen kann. Solche Angebote gibt es bisher nur vereinzelt und fast ausschließlich im Stadtzentrum. Wir wollen prüfen, wo sie auch in den Stadtteilen entstehen können — Projekte wie die Neckarorte oder der Bella Park zeigen, wie gut das funktioniert, wenn nicht-kommerzielle Initiativen einen Ort dauerhaft bespielen dürfen“.
Auffällig ist außerdem die hohe Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen: Fast 70 Prozent würden sich einbringen, wenn junge Menschen Freizeitangebote mitgestalten könnten. „Verbote allein verlagern das Problem nur. Wer will, dass es abends leiser wird, muss auch Orte anbieten, an die die Leute stattdessen gehen können. Uns war es daher auch wichtig, nicht über, sondern mit jungen Menschen zu reden. Die Antworten und diese Beteiligungslust sind eine klare Ansage an die Kommunalpolitik“, führt Bülent Teztiker aus.
Aus den Ergebnissen der Befragung leitet die Grünen-Fraktion nun vier zentrale Handlungsfelder ab: Menschen müssen auch abends verlässlich nach Hause kommen, kommerzielle wie nicht-kommerzielle Angebote brauchen gezielte Förderung, es braucht Flächen für neue Formate jenseits der Altstadt, und Heidelberg muss die Diskussion über Sperrzeiten offen führen – auch gegenüber dem Land. „Die Daten liegen jetzt auf dem Tisch, wir werden sie in konkrete Schritte übersetzen“, kündigen die Initiator*innen an. In den kommenden Wochen wird die Grünen-Fraktion einen Antrag zur Stärkung der Heidelberger Nachtkultur in den Gemeinderat einbringen.


