Weltfrauentag 2021: Ein Feiertag mitten in der Pandemie?

StaTtblatt von Anja Gernand vom 08.03.2021 //

Leider ist der 8. März kein Feiertag. Zu feiern gäbe es einiges: Die Gleichstellung von Männern und Frauen hat Verfassungsrang. Unzählige Gesetze und Maßnahmen zur tatsächlichen Gleichstellung haben vieles erreichen können. Frauen* machen selbstverständlich gute Bildungsabschlüsse, oft bessere als Männer. Hochschulabsolvent*innen sind zur Hälfte Frauen. Unsere Bundeskanzlerin ist eine Frau, die Frauenquote verspricht uns Plätze in Aufsichtsratspositionen.

Das Wasser im Wein ist aber natürlich schnell aufgespürt: Trotz guter Ausbildung von Frauen beträgt der Gender Pay Gap immer noch 19%, das Ehegattensplitting belohnt Heiraten und das männliche Ernährermodell, Frauen sind stärker von Altersarmut betroffen, besonders dann, wenn sie alleinerziehend sind. Das ist alles nicht neu, sondern altbekannt und wird mal mehr (am Weltfrauentag), mal weniger (an den anderen 364 Tagen im Jahr) thematisiert. Doch dann kam die Pandemie und seit einem Jahr sind viele Dinge sehr deutlich sichtbar, jeden Tag.

Die erste Erkenntnis ist: Es gibt viele Berufe, die absolut systemrelevant sind. Gesundheits- und Sozialwesen, Lebensmittelversorgung, Pflege und Betreuung – und wenn wir uns so umschauen wohl auch die Frisör*innen – halten unser tägliches (Über-)Leben am Laufen. In den letzten Monaten ist dabei vor allem klargeworden, dass die Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten, gar nicht sonderlich gut bezahlt werden, obwohl ihre Arbeit so essenziell ist. Diese Menschen sind im Schnitt zu 60% Frauen, in einzelnen betroffenen Berufsgruppen sind es sogar 90%.

Und dann kristallisiert sich die Erkenntnis heraus, dass sich leider doch gar nicht so viel zum Besseren geändert hat: Frauen verdienen nicht nur schlechter, und dies auch, weil sie häufiger Teilzeit arbeiten – wenn es hart auf hart kommt, sind sie es, die sich um Kind und Kegel kümmern, während der Mann arbeiten geht. Bei der Rollenverteilung von Erwerbsarbeit und Care-Arbeit bleibt es also traditionell und nicht wenige Stimmen sagen, dass die Pandemie diesen Zustand verstärkt und sogar Fortschritte wieder zurückgedrängt hat. Die Nachteile sind dabei nicht nur monetär, auch die psychische Belastung ist immens: Der Großteil der Arbeit und der „mental load“ von Haushalt, Kinderbetreuung, Angehörigenpflege, Fernlernen, Lagerkoller im Lockdown und Verpflichtungen im Homeoffice lag und liegt bei Frauen. Von den steigenden Zahlen bei häuslicher Gewalt ist dabei noch nicht mal die Rede.

Die Pandemie macht also nur allzu transparent, wie viel Frauen leisten, wie wenig sie dafür entlohnt werden, während Ungleichheiten verschärft und manifestiert werden. Deshalb ist es jetzt richtiger und wichtiger denn je, an lange währende Ungleichbehandlungen ranzugehen und Frauen zu unterstützen. Immerhin hat Heidelberg schon 2007 die Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene unterzeichnet. Schottland hat es im letzten Jahr vorgemacht und wir Grüne möchten das für Heidelberg auch: Heute haben wir gemeinsam mit der Fraktion von Die Linke den Antrag gestellt, dass in Heidelberger Schulen und öffentlichen Einrichtungen Menstruationsprodukte für Frauen kostenlos erhältlich sein sollen. Zwar sind Menstruationsprodukte kein Luxus mehr laut Besteuerung, teuer sind sie dennoch und nicht jede* kann sie sich monatlich leisten. Auf diese Weise bekämpfen wir in kleinen Schritten die Tatsache, dass Frau* zu sein immer noch eines der größten Armutsrisiken in Deutschland ist.

Wir Grüne sorgen dafür, dass Frauen und Männer endlich die gleichen Chancen haben. Die Gleichstellung aller Geschlechter ist für uns eine Selbstverständlichkeit, nicht erst seit der Pandemie. Packen wir’s an, es gibt weiterhin viel zu tun – und zwar auch an den anderen 364 Tagen im Jahr, an denen kein Weltfrauentag ist.

#GeballterFeminismus

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