Stadtblatt-Beitrag von Frank Wetzel – Ausgabe vom 10.06.2026
Die Eröffnung des Klimawandelgartens am 06. Mai 2026 kann den Beginn einer neuen Gartenkultur in Heidelberg markieren. Als ein Ort, an dem bewusst die bedrohliche Klimaveränderung hin zu Hitze und Trockenheit durch Gestaltung abgemildert wird. Geplant und ausgeführt wurde er durch das Baudezernat der Universität Heidelberg in Kooperation mit Universitätsklinikum und Handwerksbetrieben.
Die Fläche ist hervorragend gewählt: im Altklinikum in Bergheim, auf der Decke einer Tiefgarage. Die Fläche ist am Tag der Einweihung noch grün. Aber der nur geringe Wasservorrat der Bodenschicht zwischen Tiefgaragendach und Oberfläche wird demnächst verdunstet sein. Die ca. 40 m lange imposante Holzpergola bietet für Kletterpflanzen eine sehr große Vegetationsfläche, die Ranken werden an vielen Stahlseilen aufgeleitet. Die Pflanzen werden das zugeführte Wasser aufnehmen und über die Blätter verdunsten, dadurch sinkt die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchtigkeit steigt. Der Ort wird dadurch als deutlich angenehmer empfunden.
Das Projekt wurde von der Stadt Heidelberg durch das Landesförderprogramm Mittendrinstadt finanziert. Universität und Klinikum schaffen neben diesen noch vielfältige weitere wertvolle Nutzen: die Pflanzen sind oder werden mit Schautafeln und QR-Codes gekennzeichnet. Das ist Wissensvermittlung vor Ort. Neben dem Anschauen werden weitere Sinne angesprochen: Riechen, Schmecken, Fühlen. Und auch Wohlfühlen, da die Verdunstung der Blätter die Luft kühlt und die Pflanzen Schatten werfen.
Zudem dient der Garten als Forschungsraum für klimaangepasste Stadtentwicklung: Die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg wird an einer Staudenpflanzung – unter diesen extremen Bedingungen – Insektenbesuch und Bestäubung messen. So kann die künftige Auswahl von Stauden optimiert werden. Neben Forschung, Lehre und Erkenntnisgewinn lautet der Wunsch von Universität und Klinikum, dass die Heidelberger*innen den Ort nutzen sollen: zum Forschen und Studieren, aber auch als Wohlfühlort.
Bei meinem letzten Besuch Anfang Juni waren einige Pflanzen bereits vertrocknet. Auch ein Erkenntnisgewinn: der Pflanztermin zu Beginn der Sommerhitze bedeutet mit Sicherheit eine Verschärfung der Auswahlkriterien – ob so gewollt oder nicht.


