Stadtblatt-Beitrag von Frieda Fiedler – Ausgabe vom 17.06.2026
Über Jahrhunderte waren Kirchen zentrale Orte der Stadtentwicklung. Um sie herum entstanden Nachbarschaften, Plätze und ganze Städte. Heute erleben wir hier einen Wandel: Sinkende Mitgliederzahlen und die dadurch veränderten finanziellen Rahmenbedingungen führen dazu, dass die großen Kirchen ihren Gebäudebestand neu ordnen müssen.
Diese Entwicklung betrifft auch Heidelberg. Kirchliche Gebäude beherbergen heute Kitas, soziale Einrichtungen, Kulturveranstaltungen und Begegnungsräume. Sie sind sogenannte „Dritte Orte“ – Orte, an denen sich Menschen treffen können, ohne konsumieren zu müssen. Wenn solche Orte wegfallen, verändert das auch das Zusammenleben.
Deshalb haben wir Grünen beantragt, die Entwicklung kirchlicher Grundstücke und Gebäude frühzeitig gemeinsam mit Kirchen, Verwaltung und Gemeinderat zu betrachten. Es geht dabei ausdrücklich nicht um einen flächendeckenden Ankauf durch die Stadt. Die angespannte Haushaltslage setzt hier klare Grenzen. Es geht darum, Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen, miteinander ins Gespräch zu kommen und dort zu steuern, wo dies sinnvoll sein kann.
Man kann diesen Prozess als eine Art dezentrale Konversion verstehen. Während Heidelberg in den vergangenen Jahrzehnten ehemalige Militärflächen in neue Stadtquartiere verwandelt hat, stehen nun an vielen Orten gleichzeitig Fragen nach der Zukunft kirchlicher Gebäude und Grundstücke an. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Kirchen einen Dialogprozess begonnen hat. Besonders wichtig ist uns, dass der Gemeinderat frühzeitig eingebunden wird und unterschiedliche Perspektiven – soziale, kulturelle, gewerbliche oder gemeinwohlorientierte Nutzungen – offen diskutiert werden.
Viele dieser Entscheidungen werden die Entwicklung unserer Stadtteile für Jahrzehnte prägen. Deshalb sollten wir sie frühzeitig, gemeinsam und mit dem Blick auf das Gemeinwohl begleiten.
Foto: Die Chapel in der Südstadt wurde, wenn auch aus anderen Gründen, vom religiösen Raum zu einem lebendigen Begegnungsort für den Stadtteil.


